Faszientechniken

Darstellung der myofaszialen hinteren Funktionslinie: Bei einem intakten System sind die Wirbel der Lenden- und unteren Brustwirbelsäule dort regelrecht eingehängt. Dann sind die Bandscheiben mehr Puffer als stützendes Element.

Das »Faszien«-Thema ist seit Jahren beinahe allgegenwärtig. Gleichzeitig ist die Vorstellung von dem, was »Faszien« eigentlich sind, oftmals unscharf. Letztlich handelt es sich um weiches Bindegewebe, das im ganzen Körper als umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk dient. Wie Knorpel, Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln werden die Faszien nicht direkt über unseren Blutkreislauf, sondern durch die sie umgebende und in den Zwischenräumen liegende (interstitielle) Flüssigkeit ernährt.

Beschwerden durch gestörte Faszien

Durch Stress, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel oder Fehlbelastungen kann die Flüssigkeitsversorgung gestört werden. Das führt zu Verklebungen und regelrechten Verfilzungen des Gewebes: eine Ursache vieler Beschwerden. Denn Faszien enthalten mehr Schmerzrezeptoren als beispielsweise Muskeln.

Faszienstrukturen als »Kinetische Meridiane«

Der Sportmediziner Jan Wilke hat mit seinen Kollegen (Wilke et al., 2016) die Nachweisbarkeit von aus Muskeln und Faszien bestehenden (myofaszialen) Ketten oder Leitbahnen untersucht, die der US-amerikanische Manualtherapeut Thomas W. Myers als erster populär beschrieben hat. Myers wie Wilke sprechen von »Kinetischen Meridianen«. Dabei lehnen sie sich durchaus an den Meridianbegriff der Traditionellen Chinesischen Medizin an. Nur dass in den kinetischen Meridianen statt nichtphysischem »Qi« physische Energie fließt. Wilke und Kollegen haben belastbare Hinweise darauf gefunden, dass mobilisierte kinetische Meridiane die durch Schwerkraft und Bewegung auftretenden Belastungen effizient in den Boden ableiten – ähnlich einem Gewölbe bei statischen Belastungen. Das bedeutet vor allem eine Entlastung und Stabilisierung der wichtigsten Gelenke.

Ziel unserer Faszientechniken

Mit manuellen Techniken und Übungen sollen die myofaszialen Meridiane für den Fluss kinetischer Energie geöffnet und Dysbalancen innerhalb dieser kinetischen Ketten ausgeglichen werden. Dabei werden die Leitbahnen mobilisiert und der Flüssigkeitshaushalt der Faszien reguliert. Durch geeignete Wahrnehmungs- und Bewegungsübungen soll bei unseren Patient:innen eine Entwicklung vom segmentierten, schwach koordinierten Bewegungsverhalten hin zu natürlichen, ganzheitlichen und ergonomischen Bewegungsmustern initiiert werden.


Quellen: mit Material von Wikipedia; Abbildung aus: Myers, Thomas W. (2009). Anatomy Trains, Elsevier Limited, 170, Figure 8.1.